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Getrennte Querungsstellen

Das Bild zeigt einen geteilten Übergang mit erhöhtem Bordstein für Blinde und flacher Fahrbahn für Rollstuhlfahrer.

Der geteilte Übergang an der Kreuzung Bertold-Brecht-Comeniusstraße in Ludwigshafen

 

Am Montag, 19.07.2021 hat die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit Rhein-Neckar eine Begehung von getrennten Querungsstellen in Ludwigshafen-Oggersheim vorgenommen. Das war so im Plenum angesprochen worden.

 

Beim Überqueren einer Straßen-Fahrbahn ist es für Rollstuhlfahrer und Rollator-Nutzer vorteilhaft, wenn Bordsteinkanten möglichst wenig hinderlich sind und möglichst wenig Erschütterung für den Rücken bedeuten. Absenkung auf Null Unterschied bei kantenloser Auffahrt klingt da besser, als die drei Zentimeter, wie sie vor mehr als zehn Jahren als einzig normgerecht galten auch aktuell mancherorts so noch gebaut werden.

 

Manche Blinden und stark Sehbehinderten nutzen den Langstock (Blindenstock) für etwas mehr Selbständigkeit. Für die ist es besonders wichtig, erkennen zu können, wenn der nächste Schritt auf die Fahrbahn führt. Abgesehen von taktilen Bodenindikatoren (wie Leitstreifen) gehört dazu, dass die Kante ertastbar ist. Drei Zentimeter sind für viele Blinde nicht sicher zu ertasten, sechs Zentimeter wären klar besser zu ernennen.

 

Statt wie in manchen Städten noch üblich durchgehend drei Zentimetern, kommen in anderen Städten sogenannte “Getrennte Überquerungsstellen” zum Einsatz. Dabei führt das taktile Leitsystem die Blinden an eine Stelle mit sechs Zentimeter Kante und bietet den Menschen im Rollstuhl und mit Rollator eine Querungsmöglichkeit fast ohne Höhenunterschied und Erschütterung.

 

Blinde mit Langstock, jeweils aus Ludwigshafen und Mannheim, sowie drei Rollstuhlnutzer mit verschiedenen Rollstuhl-Typen haben bei der Begehung auf die jeweils für sie relevanten Eigenschaften der Querungsstellen und ergänzend dazu die angrenzenden baulichen Gegebenheiten des Umfeldes geachtet und das kommentiert. Die zugehörige Dokumentation entsteht derzeit aus den dabei gemachten Aufzeichnungen. Auf dem nächsten Plenum wird berichtet werden.

 



Der neue Fips-Bus der RNV

Der Fips-Bus ist ein elektrisch betriebener Transporter, der auf Anruf Personen transportiert.

Der neue, elektrisch betriebene Fips-Bus

Die RNV  hat ihr Angebot um den sogenannten “Fips-Bus” erweitert.
Gewissermaßen ein Taxi, das allerdings versucht, mehrere Fahrten zu
bündeln. Die Wartezeit wird daher etwas länger sein als beim Taxi.
Allerdings gibt die App sofort einen Zeitpunkt an, wann es vor Ort sein
wird. Man braucht einen gültigen Fahrschein und muss dann zwei Euro
zuzahlen, bei einer Jahreskarte einen Euro.

Hierzu ist ein Smartphone notwendig, Handy genügt nicht.

Der elektrische Fips-Bus ist auch in der Lage, einen Rollstuhlfahrer zu
befördern. Wir begrüßen diese Erweiterung des Mobilitätsangebots
durchaus, allerdings zeigte sich bei der Besichtigung, dass noch ein
paar vermeidbare Hindernissen nicht ausgeräumt wurden. Hier der Bericht
von Bernd Kittendorf .

Besichtigung Fips

Inzwischen liegt eine Antwort der RNV vor, in der es heißt:

“Alle Teilnehmenden auf Seiten der AG Barrierefreiheit und der rnv,

haben den Termin als sehr wertvoll wahrgenommen. Die rnv stimmt im

Nachgang die Umsetzung bzw. Umsetzbarkeit der Verbesserungsvorschläge

zu fips intern ab und informiert die AG Barrierefreiheit über

Weiterentwicklungen. Die relevanten Fahrgastinformationen

werden indie Kommunikation zu fips aufgenommen.”

Unsere Kritik war also berechtigt. Wir sind gespannt auf die Umsetzung.


Boveri-Rampe II

Die Baustelle in der Boveristraße.

Die Baustelle in der Boveristraße. Etwas verwirrend…

Hier nochmal das fertige Teilstück von der Zielstraße aus.

Nachdem lange nicht klar war, ob der Weiterbau der Boveri-Rampe coronabedingt weitergehen kann, ist jetzt mit den Bauarbeiten begonnen worden. Das zweite Teilstück ist in erstaunlich kurzer Zeit fertiggestellt worden. Vor allem für Rollstuhlfahrer ist das Bauwerk damit erstmals ein Ganzes: nach dem Hinauffahren in der Zielstraße kommt man nun auch in der Boveristraße wieder herunter. Allerdings mussten Menschen mit Beeinträchtigung auf diese Selbstverständlichkeit leider drei Jahre lang warten.

Versprochen sind ebenfalls Ruhepunkte, auch im alten Teil der Anlage. Ebenso wie ein Blindenleitsystem über das gesamte Bauwerk.

Wir werden weiter informieren.

 


Für ein gutes Barrierefreiheitsrecht

Die EU hat im Jahr 2019 das „Teilhabestärkungsgesetz und das Gesetz zur Umsetzung des European Accessibility Act (EAA)” beschlossen. Eine Vorgabe für alle Mitgliedsstaaten, die in nationale Gesetze umgesetzt werden muss. Die AGB Barrierefrei hat zu diesem Thema einen Vortrag mit Horst Frehe veranstaltet. Sein Vortrag ist unten verlinkt. Das Gesetz muss noch in dieser Legislaturperiode und somit vor den Bundestagswahlen verabschiedet werden.  Das Forum behinderter Juristinnen und Juristen hat dazu einen Vorschlag gemacht (Link siehe Textende), dem auch wir uns anschließen wollen. Österreich hat das Gesetz bereits verabschiedet und es wird überwiegend positiv gesehen.

Im Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz von Österreich wird der
Geltungsbereich des Gesetzes in § 2 Absatz 2 BBGG-AT erweitert.

Der Zugang zu und die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen für die
Öffentlichkeit muss barrierefrei sein.

Mit der Erweiterung des Anwendungsbereiches des BGG in Deutschland auf
die privatrechtlich organisierten Unternehmen und nun bei den
Assistenzhunden auf alle Eigentümer, Besitzer und Betreiber von beweglichen
und unbeweglichen, enthält das BGG zunehmend auch für Private
verpflichtende Regelungen zur Barrierefreiheit.

Auch die AG Barrierefrei befürwortet ein Gesetz, das in keiner Weise hinter der österreichischen Vorlage zurück bleibt. Wie in fast allen Städten sind wir nicht in der Lage, am Protesttag der Behinderten, am 5. Mai, eine Präsenzkundgebung abzuhalten. Wir sind daher darauf angewiesen, dass diese Botschaft möglichst umfassend über das Internet verbreitet wird. Bitte beteiligt euch!

Vortrag Horst Frehe

Text zur EAA-Gesetzgebung

 


Neue Telefonnummer der Mobilitätszentrale der DB

Wer in Deutschland mit Behinderung Bahn fahren möchte, sollte lieber nicht zu spontaner Laune sein: Schlechte Infrastruktur, kein Personal oder falsche Fahrzeuge können solchen Unternehmungen auch 2021 noch ein jähes Ende setzen. Abhilfe schafft hier eine Anmeldung (bis spätestens 20 Uhr des Vortages) bei der Mobilitätszentrale der DB (MSZ). Diese ist online und seit April 2021 auch unter folgender neuen Telefonnummer erreichbar.

030 65212888

Gerade Menschen im Rollstuhl haben immer mal wieder Kontakt mit der MSZ, z.B. damit ein Zug mit nicht ebenerdigem Einstieg überhaupt betreten werden kann. Ob eine neue Nummer allein lange Wartezeiten in der Telefon-Warteschleife, nicht verfügbare Rollstuhlplätze oder plötzliche Planänderungen wegen unterschrittener Mindestumsteigezeit verhindert, darf allerdings dennoch bezweifelt werden. Aber immerhin: Die neue Nummer ist zum Festnetztarif erreichbar – nicht wie früher zu 14 ct/min oder seit 2013 zu 20 ct/Anruf.

Wer mit Festnetz-Flatrate telefoniert, wird sich also in Zukunft zumindest nicht mehr über hohe Telefonkosten wundern müssen.

(Geschäftsstelle)