14.10.2010 – Der neu gegründete Gestaltungsbeirat der Stadt Mannheim hat laut Geschäftsordnung die Aufgabe, als unabhängiges Sachverständigengremium u. a. den Oberbürgermeister und den Gemeinderat zu unterstützen und Bauvorhaben im Hinblick auf ihre städtebauliche, architektonische und gestalterische Qualität zu überprüfen und ihre Auswirkung auf das Stadt- und Landschaftsbild zu beurteilen.
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Die AGB begrüßt den geplanten Ausbau des Straßenbahn-Streckennetzes in Neckarstadt, Käfertal, Waldhof und Gartenstadt. Die Leistungsfähigkeit des ÖPNV-Netzes insgesamt wird damit gestärkt.
Auch der Einrichtung von 13 zusätzlichen barrierefreien Haltestellen stehen wir positiv gegenüber.
Linienführung und Haltestellen sollten so gewählt werden, dass möglichst viele Menschen vom neuen Angebot profitieren. Die Einstiegspunkte müssen auf kurzem Wege erreichbar sein.
Allgemein bevorzugen wir Straßenbahnen gegenüber Bussen. Grund: Niederflurbahnen bieten in Verbindung mit Hochbahnsteigen mobilitätsbehinderten Menschen einen niveaugleichen Einstieg ohne fremde Hilfe.
Der Bau der Stadtbahn Nord wird überwiegend vom Steuerzahler finanziert. Sie muss daher von allen Bürger/innen genutzt werden können. Eine durchgängige Barrierefreiheit ist in diesem Zusammenhang unverzichtbar
Der öffentliche Nahverkehr und seine Weiterentwicklung ist eine Angelegenheit aller Mannheimer Bürger/innen. Jede/r, der am Netz lebt, ist betroffen. Zukunftsprojekte können deshalb nur zusammen entschieden werden.
Damit soll erreicht werden, dass die Gemeinden und die Verkehrsträger in der Metropolregion in Zukunft bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen darauf achten, dass die Interessen von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt werden. Gleichzeitig wird gefordert, dass die AG Barrierefreiheit und bestehende Behindertenverbände vor Ort rechtzeitig in das Ausschreibungsprozedere mit einbezogen werden.
Das Anforderungsprofil steht hier zum Download bereit (PDF, 27KB)
Anmeldungen sind noch möglich bis spätestens Fr, 18. Juni telefonisch unter (0621) 33 67 499 oder per E-Mail unter info@barrierefrei-mannheim.de.
„Die Zauberflöte“ von W.A. Mozart am 17. April 2010, 19 Uhr im Opernzelt in Heidelberg
26.02.2010 – Das Theater & Orchester Heidelberg bringt in Zusammenarbeit mit dem Verein Hörfilm e.V. und erstmalig mit zwei Gebärdensprachdolmetschern Mozarts ZAUBERFLÖTE für blinde und gehörlose Menschen am 17.04.2010 auf die Bühne.
Live eingesprochene Audiodeskription, detaillierte Beschreibungen zu Handlung, Bühnenbild und Kostümen, ermöglicht blinden und sehbehinderten Besuchern ein intensives und ganzheitliches Erlebnis dieser umjubelten Inszenierung des Heidelberger Theaters. Die Audiodeskription wird von dem Berliner Autorenteam des Vereins Hörfilm e.V. erstellt und eingesprochen. Die Übertragung erfolgt drahtlos über das digitale guidePORT-System von Sennheiser, installiert durch GPT Audio GmbH. Vor der Vorstellung werden die Empfänger und Monoklipphörer gegen Abgabe des Personalausweises kostenlos an das sehgeschädigte Publikum ausgegeben.
Zwei Gebärdensprachdolmetscher übersetzen von der Bühne aus Handlung und Charaktere der Opernaufführung gut erkennbar und verständlich, damit auch gehörlose und hörbehinderte Besucher in die Welt der ZAUBERFLÖTE eintauchen können.
In den vergangenen zwei Jahren hat das Theater & Orchester Heidelberg sehr erfolgreich mit dem Verein Hörfilm e.V. zusammengearbeitet. Gemeinsam entstand in dieser Spielzeit die Idee auch hörbehinderten und gehörlosen Menschen den barrierefreien Zugang zu einer Opernaufführung zu ermöglichen — die viel gelobte Eröffnungsinszenierung des OPERNZELTS schien für die Verwirklichung dieses Vorhabens hervorragend geeignet. Das Potential und die Bedeutung dieses Projekts wurde auch durch die Preisvergabe „Ausgewählter Ort 2010“ im Rahmen der Initiative „Land der Ideen“, deren Schirmherr Bundespräsident Horst Köhler ist, erkannt und honoriert.
Das Theater & Orchester Heidelberg spielt seit dieser Spielzeit in der Nähe des Heidelberger Hauptbahnhofs in einer neuen Spielstätte, dem OPERNZELT, in der Emil-Maier-Straße 16 in 69115 Heidelberg. Das 18 Meter hohe und 1000 Quadratmeter große Zelt mit 640 Plätzen und einer 226 Quadratmeter großen Bühne dient während der dreijährigen Sanierungszeit des alten Theatergebäudes auf dem Hof einer ehemaligen Feuerwache als Ersatzspielstätte für alle Musiktheater Produktionen. Das Zelt besteht aus 22 einzelnen nach oben konisch zulaufenden Leichtmetall-Bogenelementen und ist von einer silberfarbenen Außenplane aus Kunststoff umhüllt. In der alten Fahrzeughalle der Feuerwache sind das Foyer mit Garderobe, Bistro und eine Lounge entstanden.
Rahmenprogramm im Theater
Als kostenloses Rahmenprogramm zur Opernaufführung bietet das Theater & Orchester Heidelberg neben einer speziellen musikalischen Einführungsveranstaltung auch eine Masken-, Kostüm- und Bühnenführung an. Durch das Befühlen der Kostüme und die Begehung der Bühne erschließt sich für die Nicht-Sehenden Gäste die Inszenierung ganzheitlich und auch für die sehenden Besucher eröffnen sich so ganz neue Einblicke in das Theatergeschehen. Eine Audio-Führung, ebenfalls entwickelt vom Berliner Autorenteam von Hörfilm e.V., unterstützt den selbständigen Aufenthalt der blinden und sehgeschädigten Besucher im Theaterfoyer. Das Programmheft zur Zauberflöte steht kostenlos in Brailleschrift zur Verfügung. Im Anschluss an die Vorstellung lädt das Theater & Orchester Heidelberg zu einer moderierten Diskussionsrunde zwischen Publikum und Theaterensemble.
13:00-14.00 musikalische Einführung
15.00-16.30 Kostüm-, Masken- und Bühnenführung
16.30-18.45 Ausgabe Empfänger/Kopfhörer im Foyer
16.30-22.15 Audioführung im Theaterfoyer erlebbar
18.30-19.00 Uhr Werkeinführung
19.00-22.00 Uhr DIE ZAUBERFLÖTE barrierefrei
ab 22.15 Uhr Nachgespräch und Ausklang des Abends
In den Pausen zwischen den Programmpunkten besteht die Möglichkeit eines Imbisses im Bistro des Theaters.
Anmeldungen für die Angebote des Rahmenprogramms, sowie Ticketreservierungen bitte mit Adressangabe und Personenzahl erfolgen über die Theaterkasse unter Tel: (06221) 5 82 00 00, via Fax (06221) 5 84 62 00 00 oder per E-Mail: tickets@theater.heidelberg.de
Kassenöffnungszeiten: Mo.-Sa. 11:00 – 18:00 Uhr. Schwerbehinderte Besucher erhalten 50 % Ermäßigung.
Mit Merkzeichen »B« im Schwerbehindertenausweis ist die Begleitperson frei. Die Mitnahme von Blindenführhunden ist selbstverständlich. Das Theater ist auch für Rollstuhlfahrer barrierefrei zugänglich.
Anfahrt mit den Buslinien 32, 33, 34 bis Hauptbahnhof oder Linie 721 bis Betriebshof, Anfahrt mit den Straßenbahnlinien 5, 21, 24 bis Hauptbahnhof, Linie 21, 22, 24 bis Betriebshof oder Linie 22 bis Czernybrücke / OPERNZELT. Mit Ihrem PKW können Sie während Ihres Theaterbesuchs günstig im nahe gelegenen Parkhaus P 18 parken. Legen Sie Ihr Parkticket an der Abendkasse oder der Garderobe im OPERNZELT vor, dann erhalten Sie gegen Bezahlung von 4,- € Ihr entwertetes Ticket. Die Ausfahrt ist bis 24 Uhr möglich. Die Einfahrt erfolgt über die Kurfürstenanlage und liegt neben den Straßenbahnschienen in der Karl-Metz-Straße 11.
18.12.2009 – Herr Edmund Riethmüller, unser Freund, Kollege und Mitstreiter für ein barrierefreies Mannheim, ist in den frühen Stunden des 17.12.2009 verstorben.
Sein Tod hinterläßt eine große Lücke nicht nur in der Behindertenbewegung, sondern hat bei allen, die seine Freundlichkeit und seine Kompetenz persönlich kennenlernten, Betroffenheit und Trauer ausgelöst.
Edmund Riethmüller war 2001 Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit in Mannheim und seitdem mit die treibende Kraft. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Interessen der Menschen mit Behinderung in unserer Stadt weit über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus wahrgenommen wurden. Zahlreiche Projekte im Stadtgebiet wären ohne ihn niemals in Gang gekommen, er vertrat die AG Barrierefreiheit in zahlreichen Gremien und hat einen großen Anteil daran, dass das Themenfeld Behinderung in Mannheim mittlerweile einen hohen Stellenwert erlangt hat.
Edi – wie er von uns genannt werden wollte, war nicht nur in der Behindertenbewegung in Mannheim aktiv, sondern auch in der Rhein-Neckar-Region und darüber hinaus. Er war immer sehr hilfsbereit und hat allen mit Rat und Tat beigestanden – manchmal über seine Kräfte hinaus. Viele reden über ehrenamtliches Engagement, Edi Riethmüller hat es personifiziert.
Edi wird uns sehr fehlen und er wird uns lange lange Zeit in positiver Erinnerung bleiben.
Die Trauerfeierlichkeit für Herrn Riethmüller findet am Mittwoch, 23.12.2009 um 11:00 Uhr auf dem Hauptfriedhof Mannheim statt. Ab 7:00 Uhr ist der Leichnam in der Trauerhalle 2 aufgebahrt.
AG Barrierefreiheit Rhein-Neckar e. V.
09.10.2009 – Ein Student der SRH Heidelberg führt eine Untersuchung zum Persönlichen Budget durch und benötigt Unterstützung. Der entworfene Fragebogen kann online ausgefüllt werden über den Link http://www.studentenforschung.de/?qid=89814&ln=deu. Bei Fragen kann man mit ihm in Kontakt treten über die E-Mail-Adresse Bernhard_ostertag@hotmail.com
Das Persönliche Budget kann Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen, wird aber aus vielerlei Gründen bisher leider zu wenig in Anspruch genommen.
Diese Untersuchung sollte man deshalb als Betroffener unterstützen oder an entsprechende Menschen weiterleiten.
Hier die Infos von Herrn Ostertag:
Mein Name ist Bernhard Ostertag, ich studiere in Heidelberg an der SRH Hochschule Soziale Arbeit und befinde mich momentan im 5. Semester in der Projektphase.
Mein Thema ist das -Persönliche Budget- , Fragen und Probleme die damit in Verbindung gebracht werden können.
Da ich selbst aufgrund einer Finanzierungsmaßnahme im Rahmen des -Persönlichen Budgets- (Maßnahme zur Integration ins Berufsleben) die Möglichkeit bekommen habe ein selbstbestimmtes und eigenständiges Studium zu gestalten, ist es mir ein großes Anliegen diese gesetzliche noch nicht sehr weit bekannte Neuerung zu untersuchen.
Hierfür habe ich einen kurzen Fragebogen erstellt, welcher ganz anonym und einfach über folgenden Link aufrufbar ist
http://www.studentenforschung.de/?qid=89814&ln=deu
Ich benötige für meine Umfrage in Form diese Fragebogens noch Freiwillige, die sich ein paar Minuten Zeit nehmen könnten um mir mit wenigen Kreuzchen und kurzen Sätzen eine Basis für meine Untersuchung zu geben.
Gerne bin ich bereit, falls Unklarheiten oder Fragen entstehen als Ansprechpartner zu Verfügung zu stehen!
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, falls sie sie Möglichkeit dazu haben mein Schreiben plus link an Menschen mit Behinderung weiterzuleiten!
Vielen Dank für Ihr Bemühen!
Grüße,
Bernhard Ostertag
Student der SRH Hochschule Heidelberg
Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Studiengang Soziale Arbeit (61760702)

11.05.2009 – Auf große Publikumsresonanz stieß die Veranstaltung der AG Barrierefreiheit am 7. Mai im Collini-Center Mannheim zur „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“. Sie wurde durchgeführt als lokaler Beitrag im Rahmen des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, der jedes Jahr am 5. Mai durchgeführt wird.

Veranstaltung zur UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen
Plastisch und in einfacher Sprache machte der Referent Ottmar Miles-Paul den knapp einhundert BesucherInnen deutlich, dass die Gesellschaft allen Menschen mit Behinderungen die Hand reichen und die Voraussetzungen dafür schaffen müsse, dass eine umfassende Teilhabe möglich wird. Der Behindertenbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz verzichtete auf Juristendeutsch und versuchte, in einfachen Worten wiederzugeben, was in der „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ steht und welche Aufgaben der deutsche Gesetzgeber in Angriff nehmen müsse.
Streit um Worte führten nicht weiter. Man könne den Sinn des oft benutztes Wortes „Inklusion“ mit einem „all inclusive“-Angebot eines Reiseveranstalters verständlich machen – jeder Reisende erwartet schließlich, dass in einem solchen umfassenden Paket auch all das erfüllt wird, was angekündigt wird. Was müssen wir alle also dafür tun, um die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Menschen mit Behinderungen umfassend an der Gesellschaft teilhaben und gleichberechtigt mit nicht-behinderten Menschen leben können?
Um einem späteren Ausschluss aus dem normalen Leben zu begegnen, müsse der Automatismus Sonderschule – Werkstätt für Behinderte – Heimunterbringung durchbrochen werden. Gemeinsame Erziehung in Kindertertageseinrichtungen und der gemeinsame Schulbesuch behinderter und nicht-behinderter Kinder, insbesondere der Übergang von Schule-Beruf, sei hier von überragender Bedeutung. Dass dies möglich ist, zeigten die skandinavischen Länder: Während dort 80 Prozent eine Regelschule besuchen, seien dies bei uns nur ca. 15 Prozent. Davon hängen wiederum die späteren Beschäftigungschancen ab – der jetzt weitgehend bestehende Sonder-Arbeitsmarkt müsse Schritt für Schritt umorganisiert werden. Ein inklusives Bildungssystem sei eben die Voraussetzung für eine inklusive Gesellschaft auch im Bereich des Arbeitslebens.
Jeder behinderte Mensch müsse im Wohnbereich die Wahlmöglichkeit haben, selbst zu entscheiden, wo und wie er wohnen möchte. Dazu muss er die Hilfen dort bekommen, wo er lebt oder leben möchte (Artikel 19 UN-Konvention). Eine Separierung wirke dem Gedanken der Integration entgegen. Im baulichen aber auch im öffentlichen, kulturellen und politischen Bereich spiele die Zugänglichkeit von Gebäuden und Einrichtungen und die Kommunikationsform eine wesentliche Rolle. Barrierefreiheit sei kein Selbstzweck, sondern schaffe erst die Bedingungen zur Teilhabe.
Viele kleine Schritte seien notwendig, um das große Ziel der Inklusion zu erreichen, und jeder einzelne müsse sich auch selbst fragen, wie er dazu beitragen könne. All dies könne aber die Verantwortung der Entscheidungsträger in Staat und Gesellschaft nicht ersetzen, die Bestimmungen der UN-Konvention offensiv auf allen Ebenen umzusetzen. Seitens Betroffener und Behindertenverbände müsse auch ein moralischer Druck entwickelt werden.
Bei der erfrischenden Aussprache wurde von zahlreichen TeilnehmerInnen nach lokalen Umsetzungschancen in den Kommunen gefragt und gefordert, dass insbesondere im Bereich der schulischen Inklusion und beim Persönlichen Budget ein Richtungswechsel der Landesregierung in der Behindertenpolitik längst überfällig sei.
10.05.2009 – Ende Mai wurde vom Umweltform die 3. Auflage des Mannheimer Bürgerstadtplans herausgegeben. Der Wegweiser für nachhaltige Alltags- und Freizeitgestaltung in Mannheim hat sich zum Renner entwickelt und deckt die Bereiche Mobilität, Konsum, naturnahe Freizeit und Erholung, Service- und Bildungseinrichtungen sowie Treffpunkte für spezielle Zielgruppen wie Jugendliche und SeniorInnen ab.

Besonders erfreulich für Menschen mit Behinderungen: Der Bürgerstadtplan enthält auch wichtige Informationen für Mobilitätseingeschränkte, was der aktiven Mitarbeit der AG Barrierefreiheit an dem Projekt zu verdanken ist. Ausgewiesen sind deshalb auch barrierefrei erreichbare öffentliche Gebäude wie Museen, Theater, Rathäuser, Bürgerdienste und Stadtbüchereien. Auch barrierefreie Ausflugslokale sowie Behindertenparkplätze und öffentliche Behindertentoiletten im größeren Innenstadtplan sind besonders gekennzeichnet.
Der Faltplan im Maßstab 1:18.000 kostet unverändert 4,90 Euro und wird über den Buchhandel, das Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof sowie in Radgeschäften verkauft. Eine Übersicht der Verkaufsstellen gibt es auf der Website des Umweltforums unter www.umweltforum-mannheim.de.
Die AGB hat an die im Gemeinderat vertretenen Parteien und Gruppierungen einige Fragen zum Kommunalwahlkampf gestellt. Hier veröffentlichen wir die Fragen und Antworten. Die Parteien sind nach dem Eingang der Antworten sortiert. Da die CDU leider nicht geantwortet hat, fehlen deren Äußerungen. Die Antwort der „Mannheimer Liste e. V.“ ist separat am Schluss angefügt, da sie nicht auf die einzelnen Fragen konkret antwortet, sondern ein allgemein gehaltenes Schreiben vorgelegt hat.
Die Synopse der vorliegenden Antworten der im Mannheimer Gemeinderat vertretenen Fraktionen und Gruppen können Sie hier als PDF Datei herunterladen.
Thema 1) Barrierefreier Nahverkehr
Frage
1 a) Sind Sie dafür, alle Haltestellen für Bus und Bahn barrierefrei zu gestalten?
Zum Beispiel bei der Umgestaltung der Planken und des Paradeplatzes Hochbahnsteige (30cm) einzurichten, die mit Lautsprecher und digitaler Anzeige ausgestattet sind?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Bündnis 90/DIE GRÜNEN setzen sich für die Umsetzung der rechtlichen Regelung von barrierefreien Zugängen für sämtliche NutzerInnen des öffentlichen Personennah- und -fernverkehrs ein. Die Anträge zur Umgestaltung der bisherigen Haltestellen wurden ausschließlich von uns GRÜNEN gestellt. Bei der Diskussion um die Umgestaltung Planken und Paradeplatz wird von anderen Parteien sogar der Verzicht auf eine Stadtbahn (-haltestelle) laut. Durch Anträge und Gespräche erreichten wir bisher, dass die Stadtbahn Bestandteil der Innenstadt bleibt. Auch im Falle der Planken und am Paradeplatz fordern wir eine barrierefreie Ausgestaltung der Haltestellen und der Planken insgesamt. Diese Forderungen wurden in die Ausschreibung aufgenommen.
Das Fahrgastinformationssystem des RNV wurde auf Antrag der GRÜNEN und nach langer Überzeugungsarbeit unsererseits eingeführt. Dieses System gibt endlich die Möglichkeit zwischen Leitstellen und KundInnen eine vernünftige Kommunikation zu gewährleisten.
Auch deshalb sind wir für eine schnelle Umsetzung dieser Systeme an sämtlichen Haltestellen im Stadtgebiet.
Antwort Die LINKE
Ja – Bisher wird allerdings in Mannheim nur eine Bushaltsstelle pro Jahr umgebaut , d.h. wenn es in diesem Tempo weitergeht, sind sämtliche Bushaltestellen erst in 100 Jahren umgebaut. Das ist natürlich vollkommen unzureichend. Außerdem sind Haltstellen oft nur unzureichend auf 18 cm umgebaut. Bushaltestellen gehören nach dem „Kasseler Bord“ umgestaltet.
Antwort SPD
Ja!
Antwort FDP
Alle Haltestellen des Öffentlichen Nahverkehrs sind barrierefrei zu gestalten – jedoch kann dies nur schrittweise erfolgen. Alle Haltestellen die in den letzten Jahren umgebaut wurden, sind barrierefrei und mit den entsprechenden Anzeigetafeln ausgestattet worden. Grundsätzlich halten wir auch Lautsprecher für eine sinnvolle Idee.
Frage
1 b) Sehen Sie die Notwendigkeit, dass alle im Bereich des RNV bereitgestellten und anzuschaffenden Fahrzeuge (Busse, Bahnen, S-Bahn) barrierefreien Standards genügen müssen und dass Behindertenverbände bei Neuanschaffungen bereits im Vorfeld einbezogen werden?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Der ÖPNV soll allen Personen in gleicher Weise den Transport ermöglichen. Dies kann nur durch barrierefreie Standards bei allen Fahrzeugen gewährleistet werden. Wir GRÜNE haben uns schon immer dafür eingesetzt, dass Behinderten- und Umweltverbände bei Planungsverfahren frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Darüber hinaus fordern wir, einen so genannten Fahrgastbeirat bei Fragen der Beschaffung von rollendem und fahrendem Material einzubinden. In diesem Fahrgastbeirat wären sämtliche NutzerInnengruppen durch VerbandsvertreterInnen repräsentiert. Somit würden viele Aspekte berücksichtigt.
Antwort Die LINKE
Ja, aber das muss auch für den Schienenersatzverkehr gelten. Sie wissen bestimmt am besten, dass es oft ein Ärgernis ist, wenn die Straßenbahn ausfällt. Dann wird ein alter Bus bereit gestellt, der alles andere als barrierefrei ist. Und Menschen mit Rollstuhl, müssen dann oftmals draußen bleiben.
Antwort SPD
Ja!
Antwort FDP
Die Fahrzeugflotte der RNV wird ständig erneuert – bei den Neuanschaffung wurde bereits darauf geachtet, dass diese barrierefrei sind wir es für Richtig, das diese Fahrzeuge barrierefrei sind. Eine Einbeziehung von der Behindertenverbände halten wir für sinnvoll, damit man zu „Praxistauglichkeit“ Lösungen kommt.
Frage
1 c) Schließen Sie sich unserer Forderung an, dass für Menschen, die den öffentlichen Nahverkehr aufgrund ihrer Behinderung nicht nutzen können, ein Behindertenfahrdienst rund um die Uhr zu ÖPNV-Preisen eingerichtet wird?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Ziel muss sein einen ÖPNV zu bekommen der sämtliche Menschen eine umweltgerechte Mobilität ermöglicht. Sollte es NutzerInnen geben, die sich nicht an dieser Art der Mobilität beteiligen kann, so ist es unsere Pflicht andere Systeme aufzubauen. Ein Behindertenfahrdienst zu ÖPNV – Preisen könnten wir uns vorstellen, eine Übernahme (oder zumindest teilweise Übernahme) der Kosten sollte unseres Erachtens von den Einkünften der NutzerInnen abhängig gemacht werden.
Antwort Die LINKE
Ja, behinderte Menschen, die ohne fremde Hilfe nicht zur Haltestelle kommen können, müssen von einem Behindertenfahrdienst von zu Hause abgeholt werden können.
Antwort SPD
Wir haben bei den Etatberatungen 2008/2009 bereits beantragt zu prüfen, wie behinderten Menschen, die nicht im Hilfebezug sind, ein Fahrdienst angeboten werden kann, der ihnen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Für diesen Fahrdienst ist eine Eigenbeteiligung analog der „Karte ab 60“ zu leisten. Die Verwaltung erarbeitet hierzu die notwendigen Entscheidungsgrundlagen.
Antwort FDP
Einen generellen Fahrdienst „rund um die Uhr“ zu ÖPNV-Preisen halten wir für nicht finanzierbar. Die bestehenden Fahrdienste können bereits sehr flexibel „gebucht“ werden. Wir erinnern daran, dass auch der normale Personennahverkehr nicht 24-Stunden zur Verfügung steht.
Thema 2) Öffentliche Gebäude
Frage
2 a) Sind Sie bereit, Maßnahmen zu ergreifen, um alle öffentlichen Gebäude barrierefrei zu gestalten und insbesondere bei Neu-, Umbauten und Renovierungen diesen Gesichtspunkt zu beachten?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Die Fraktion der GRÜNEN hat sowohl im Planungsbeirat wie auch im Ausschuss für Umwelt und Technik Anträge eingebracht, die für öffentliche Gebäude im Falle eines Neubaus oder bei Umbauten die rechtliche Verpflichtung eines barrierefreien Zugangs fordern.
Antwort Die LINKE
Ganz klar ja – sämtliche öffentlichen Gebäude müssen barrierefrei.
Antwort SPD
Uneingeschränkt ja, dies steht auch so in unserem Wahlprogramm.
Antwort FDP
Es gibt eine gesetzliche Verpflichtung, welche die Barrierefreiheit für alle öffentlichen Gebäudeneubauten vorschreibt. Auch bei maßgeblichen Umbauten oder Erweiterungen ist die Barrierefreiheit gesetzlicher Standard.
Frage
2 b) Unterstützen Sie die Forderung der AG Barrierefreiheit, dass in allen Stadtteilen Mannheims mindestens eine öffentliche Toilette, die barrierefrei und mit dem genormten EUROSchlüssel zu öffnen ist, eingerichtet wird?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Schon 2001 hat die Fraktion der Grünen im Gemeinderat einen Antrag der GRÜNEN auf Umsetzung von barrierefreien Toiletten mit genormtem Schlüssel in den Stadtteilen eingebracht. Die dafür nötigen Mittel wurden bislang nicht im Haushalt eingestellt. Weitere Defizite können durch den Stadtführer „Barrierefreies Mannheim“ erkannt werden. Die Beseitigung der Defizite ist uns selbstverständlich.
Antwort Die LINKE
Ja.
Antwort SPD
Wir unterstützen diese Forderung, sehen die Notwendigkeit und verbinden damit die Hoffnung, dass die Toiletten länger als drei Tage benutzbar sind und nicht gleich wieder durch Vandalismus zerstört werden.
Antwort FDP
Öffentliche Toiletten sind grundsätzlich ein Problem und sehr teuer im Unterhalt – die FDP fordert jedoch seit Jahren den Ausbau bzw. die Instandsetzung öffentlicher Toilettenanlagen. Es ist selbstverständlich, dass bei Neubauten die gesetzlichen Bestimmungen zur Barrierefreiheit eingehalten werden. Wir bezweifeln jedoch, dass es uns in den nächsten Jahren gelingen wird, alle Stadtteile mit öffentlichen und barrierefreien Toilettenanlagen zu versorgen.
Frage
2 c) Befürworten Sie unsere Forderung, dass im Super-Wahljahr 2009 alle Wahlveranstaltungen auch barrierefrei zugänglich sein müssen damit alle interessierten BürgerInnen Mannheims sich informieren können?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Für eine gleichberechtigte Beteiligung am öffentlichen Leben ist es grundlegend, allen EinwohnerInnen den Zugang zu allen Veranstaltungsräumen nicht nur in Wahlkampfzeiten zu gewährleisten. Der AG Barrierefreiheit kommt bei der Umsetzung die wichtige Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit zu.
Antwort Die LINKE
Ja, wir unterstützen Ihre Forderung. Allerdings ist es manchmal sehr schwierig, solche Räumlichkeiten zu bekommen. Wir haben zum Beispiel eine unserer letzten Mitgliederversammlungen im Trafohaus in der Schwetzinger Vorstadt durchgeführt. Wir haben gedacht, das wäre barrierefrei. Eines unserer Mitglieder musste dann aber die leidvolle Erfahrung machen, dass das nicht für die Toiletten gilt, und musste dann früher nach Hause gehen.
Antwort SPD
Wahlveranstaltungen in Räumen durchzuführen, die auch barrierefrei zugänglich sind, ist unser Bestreben. Viele Räumlichkeiten, die für Wahlveranstaltungen in Frage kommen., erfüllen leider diese Anforderungen nicht. Wir werden uns weiterhin darum bemühen, sind allerdings auch nicht für alle Wahlveranstaltungen verantwortlich.
Antwort FDP
Wahlveranstaltungen sind private Veranstaltungen. Die Barrierefreiheit ist wünschenswert, aber sache des Veranstalters. Eine grundsätzliche Einmischung halten wir nicht für angebracht. Viele der Gaststätten – die überhaupt Parteiveranstalungen zu lassen – sind leider nicht barrierefrei. Die FDP hat in den letzten Jahren darauf geachtet, dass die Veranstaltungsort barrierefrei zugänglich sind.
Frage
2 d) Befürworten Sie die Forderung, dass im Super-Wahljahr 2009 das gesamte Wahlprozedere barrierefreien Standards genügt, damit allen wahlberechtigten BürgerInnen Mannheims die Möglichkeit gegeben wird, an Wahlen teilzunehmen?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
JedeR BürgerIn hat das Recht auf Wahl. Ein barrierefreier Zugang muss selbstverständlich sein.
Antwort Die Linke
Die Forderung ist richtig. Von der Erfüllung der Forderung sind wir aber noch meilenweit entfernt – z.B. Internet ist in der Regel nicht barrierefrei – d.h. in diesem Fall nicht geeignet für Sehbehinderte. Die meisten Wahllokale sind nicht oder schwer zugänglich z.B. Rollstuhlfahrer. Da wollen wir uns einsetzen, dass dies bei den Kommunalwahlen besser wird.
Antwort SPD
Auch hier legen wir Wert darauf, diesen demokratischen berechtigten Interessen nachzukommen und diese wollen wir unterstützen. Sie wissen selbst am besten, dass noch viele öffentliche Gebäude alles andere als behindertengerecht sind und es noch einer längeren Wegstrecke bedarf, dem Ziel des barrierefreien Zugangs gerecht zu werden.
Antwort FDP
Es gibt bereits einige barrierefreie Wahllokale z.B. im Rathaus in E5. Da sich die Wahllokale in öffentlichen Gebäuden befinden, wird sich die Situation bei den nächsten Wahlen immer weiter entspannen, da durch das große Gebäudesanierungsprogramm weitere Gebäude der Stadt barrierefrei erschlossen werden. Notfalls besteht die Möglichkeit der Briefwahl
Thema 3) Wohnen
Frage
3 a) Setzen Sie sich dafür ein, in den Vertrag zwischen der Stadt Mannheim und der GBG die Klausel aufzunehmen, dass bis zum Jahr 2020 ?20% der GBG-Wohnungen barrierefrei zugänglich ?und fünf Prozent barrierefrei sein müssen?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Ein Anteil von 20% ergibt etwa 4.000 Wohnungen von den 20.000 Wohnungen der GBG. Natürlich fordern wir GRÜNE schon jetzt bei allen Modernisierungen und Sanierungen Barrierefreiheit und Zugänglichkeit bei allen Gebäuden, wo dies möglich ist, z.B. bei EG-Wohnungen. Stadt und GBG sollen sich gemeinsam um die Förderung von Wohngemeinschaften und selbstbestimmtem und betreutem Wohnen kümmern. Dies ist auch im Interesse der GBG, da mit dem hohen Altersdurchschnitt der GBG-Mieter auch der Bedarf an Barrierefreiheit steigt.
Antwort Die Linke
Ja, das sind Mindestanforderungen. Wenn man sich die demographische Entwicklung anschaut, ist dies eher zu wenig. Eigentlich sollten möglichst alle Wohnungen barrierefrei sein. Denn behinderte Menschen sollten nicht nur Zugang zur ihrer eigenen Wohnung haben , sondern auch zu Wohnungen von Menschen, die nicht behindert sind, damit sie diese besuchen können. Barriere freie Wohnungen nützen letztlich sehr viele Menschen. Z.B. auch allen älteren Menschen, Menschen mit Kindern (Stichwort Kinderwagen) usw.
Antwort SPD
Ja, aber wie wir schon in unseren Werkstattgesprächen festgestellt haben, löst dies das Problem genügend behindertengerechten Wohnraum zu haben, nicht wirklich. Wir setzen uns weiter dafür ein, dass bei allen Um – und Neubauten darauf geachtet wird, so behindertengerecht wie nur möglich zu bauen.
Antwort FDP
Die GBG wie anderen Vermieter auch, investieren auch aufgrund des Demografischen Wandels verstärkt in die Barrierefreiheit ihres Wohnraumes. Darüber hinaus schafft die GBG bei allen Umbau- und Sanierungsarbeiten weitere barrierefreie Wohnungen und Zugänge in Wohnungen. Eine verpflichtende Klausel halten wir Liberale für schwer umsetzbar, da bei den erheblichen Altbaubeständen eine „Nachrüstung“ oft an den technischen Möglichkeiten scheitert. Eine solche Klausel wäre nur bei Neubauten sinnvoll.
Frage
3 b) Unterstützen Sie die Forderung, dass die Stadt Mannheim eine zentrale Beratungsstelle einrichtet, in der umfassende Beratung und Hilfe zu barrierefreiem Wohnen beantwortet werden und die nach dem Prinzip „Alles aus einer Hand“ funktioniert?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
3 b) Unterstützen Sie die Forderung, dass die Stadt Mannheim eine zentrale Beratungsstelle einrichtet, in der umfassende Beratung und Hilfe zu barrierefreiem Wohnen beantwortet werden und die nach dem Prinzip „Alles aus einer Hand“ funktioniert?
Antwort Die LINKE
Ja.
Antwort SPD
Die Einrichtung einer Wohnberatungsstelle für Ältere und eine Börse für behindertengerechte Wohnungen vorzusehen, haben wir bei den Etatberatungen 2008/2009 bereits beantragt. Die Verwaltung erarbeitet dazu einen Umsetzungsvorschlag. Auch die Einrichtung eines kommunalen Fonds zur finanziellen Unterstützung der baulichen Anpassung bestehenden Wohnraums wollen wir geprüft wissen.
Antwort FDP
Eine „barrierefreie Wohnungsberatungsstelle“ kann sicherlich geschaffen werden. Die Bürgerbüros oder die Beratungsstellen im Collini-Center wären hier der richtige Ort. Es gibt jedoch bereits einige B eratungsstellen z.B. bei der Handwerkskammer.
Frage
3 c) Würden Sie unseren Vorschlag unterstützen, dass die Stadt Mannheim einen finanziellen Zuschuss zur Verfügung stellt, um Einzelhandelsgeschäfte, aber auch andere Einrichtungen in Mannheim durch Anbringung einer Rampe auch für Menschen mit Behinderungen relativ problemlos zugänglich zu machen?
Viele Einrichtungen weisen eine oder mehrere Stufe/n auf. Viele LadeninhaberInnen wären nach unserer Erfahrung zu diesem Schritt bereit, scheuen aber das finanzielle Risiko. Wir schlagen vor, diese Bereitschaft zum Umbau durch einen finanziellen Anreiz weiter zu fördern.
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Einen Unterstützungsposten im städtischen Haushalt für EinzelhändlerInnen und andere Einrichtungen, die einen Umbau anstreben, können wir uns vorstellen.
Antwort Die LINKE
Grundsätzlich ja, über das wie müssen wir allerdings noch nachdenken und die Möglichkeiten abwägen, z B.. was über baurechtliche Anordnungen zu erreichen ist.
Antwort SPD
Im Prinzip ja, wenn auch von den Hauseigentümern ein 50%iger Beitrag geleistet wird.
Antwort FDP
Wir halten staatliche bzw. städtische Zuschüsse nicht für die richtige Lösung. Grundsätzlich wird der demografische Wandel dafür sorgen, dass Barrierefreiheit auch im Einzelhandel eine immer wichtigere Rolle spielt. Es gibt Fördermittel für den barrierefreien Umbau von Wohnraum – statt einem neuen Förderprogramm können wir uns eine Erweiterung der Fördertatbestände zum Beispiel auch für Einzelhandelsflächen oder Sportvereine vorstellen.
Frage
3 d) Setzen Sie sich dafür ein, in Mannheim an allen Kreuzungen die Bordsteine abzusenken und dafür Mittel zur Verfügung zu stellen?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Die GRÜNEN haben sich schon bisher in Anträgen für abgesenkte Übergänge an Kreuzungen und anderen wichtigen Übergängen eingesetzt und werden dies auch weiterhin tun.
Antwort Die LINKE
Ganz klar Ja.
Antwort SPD
Das tun wir schon und werden es auch weiterhin tun.
Antwort FDP
Bei allen Umbauarbeiten im öffentlichen Straßenraum werden die Bordsteine abgesenkt, um die Straßenübergänge barrierefrei zu gestalten. Wir können uns auch vorstellen – an besonderen Brennpunkten – die Maßnahmen auch mit einem Sonderprogramm umzusetzen.
Thema 4) Schulen Kindertageseinrichtungen und Bildung
In der neuen UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wird Sonderschulen eine Absage erteilt. Die Vertragsstaaten sind aufgefordert (Art. 24), behinderten Kindern und nicht-behinderten Kindern den gemeinsamen Besuch von Kindergärten, Schulen und Berufsausbildungsinstitutionen zu ermöglichen („Inklusion“).
Frage
4 a) Unterstützen Sie diesen Grundsatz und damit auch die dazu notwendige Umkehr in der bisherigen Bildungspolitik?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Unter der Bedingung, dass diese Maßnahme für die Betroffenen auch individuell die beste oder die bessere Lösung ist, können und werden wir diesen Grundsatz unterstützen.
Antwort Die LINKE
Klares Ja und wir freuen uns, dass das Verwaltungsgerichts Freiburg der Klage einer Walldorfschule gegen das Land Baden-Württemberg statt gegeben hat, so dass es möglich ist, dass geistig behinderte Kinder mit nicht behinderten unterrichtet werden. Hoffentlich wir die vom Kultusminister angekündigte Revision abgewiesen.
Antwort SPD
Diesen Grundsatz werden wir noch konkret und intensiver diskutieren. Prinzipiell sollten alle Kinder die gleiche Schule besuchen können. Die Frage, die wir stellen müssen, ist „was passiert gemeinsam“ und „was passiert getrennt“? Gemeinsames Lernen bringt für alle zusätzliche Erfahrungen, Kenntnisse und Fertigkeiten. Wir denken, beide können viel voneinander lernen, aber es gibt auch Dinge, die müssen getrennt durch geführt werden.
Prinzipiell sind wir aber der Meinung, dass die Regelschule von der Stadt Mannheim und dem Land Baden-Württemberg so ausgestattet werden müsste, dass sie die sächlich und personell in die Lage versetzt wird, auch behinderte Kinder ihrer Begabung entsprechend zu fördern.
Antwort FDP
Die FDP im Gemeinderat hat gerade eine Anfrage gestartet, um sich nach dem Umsetzungssteand der Inklusion behidnerter Kinder in Mannheimer Schulen zu erkundigen. Die UN-Konvention ist selbstverständlich auch für Mannheim verpflichtend.
Frage
4 b) Welche Maßnahmen auf kommunaler und auf Landesebene insbesondere bei der Frühförderung würden Sie als notwendig erachten?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Frühförderung ist für uns die maßgebliche Vorgehensweise. Gerade die Integration von behinderten Kindern in bestehende KiTas ist sinnvoll. Dabei sollte die schrittweise Ausweitung bei bereits barrierefreien Kindertagesstätten beginnen.
Die Umsetzung dieser Forderungen aus dem Fragebereich 4) verlangt eine wesentlich bessere personelle und materielle Ausstattung der betroffenen Einrichtungen. Die Arbeitsbelastung pro Kopf darf nicht weiter steigen. Ebenso darf die Inklusion nicht zu Defiziten in der Förderung behinderter Menschen aufgrund von Arbeitsüberlastungen oder mangelnder Qualifizierung der Angestellten führen.
Antwort Die LINKE
Zunächst mal müssen die Gebäude selbst barrierefrei gebaut bzw. umgebaut werden. Dann müsste das Schulgesetz geändert werden, denn dort haben behinderte Menschen kein Recht, eine Regelschule zu besuchen. Von der Kommunalpolitik erwarten wir deshalb Druck auf die Landespolitik. Außerdem muss mehr Geld für Personal, z.B. Sonderpädagogen, bereit gestellt werden.
Es ist überfällig, dass der Mannheim Gemeinderat die „Erklärung von Barcelona“ beschließt, d.h. dass das Grundprinzip Barrierefreiheit“ und „Zugang für alle“ durchgesetzt wird, insbesondere was die öffentlichen Einrichtungen betrifft.
Antwort SPD
Mit unseren vielen Programmen wie Willkommen im Leben, Frühförderung, Krippe Plus und der schulamtsärtzlichen Untersuchung im 2. Kindergartenjahr haben wir schon viele Bausteine kommunaler Frühförderung in unserer Stadt. Mit einem Besuchsangebot an die Eltern von neu geborenen Kindern bieten wir einen weiteren Dienst an, der Eltern früh unterstützt und wenn notwendig Hilfestellungen anbietet.
Antwort FDP
Es ist keine Frage der Unterstützung – die UN-Konvention ist verpflichtend um zu setzen. Die Beispiele aus dem Ausland oder aus Bundesländern wie Bremen und Schleswig-Holstein zeigen, dass eine weitgehende Inklusion in „normale“ Schulklassen möglich ist. Wir sind jedoch der Meinung, dass die bisherige Politik der Sonderschulen für z.B. sehr leistungsschwache Kinder durchaus Vorteile hat, da in kleine Klassen und mit intensiverer Betreuung viel besser auf die Bedürfnisse eines jeden Kindes eingegangen werden kann.
Thema 5) Recht auf Arbeit
Schwerbehinderte Menschen weisen eine überproportional hohe Arbeitslosenquote auf. Sie haben in der Regel nur die Möglichkeit, in Werkstätten für behinderte Menschen für ein Taschengeld zu arbeiten. In der UN-Konvention aber werden solche Werkstätten NICHT als Alternative zum freien Arbeitsmarkt erwähnt.
Frage
5 a) Welche Maßnahmen halten Sie für geeignet, um auch hier einen Perspektivenwechsel einzuläuten und die Integration behinderter Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt stärker zu fördern?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Separierte Werkstätten bergen immer die Gefahr in sich, die Differenzen zur gesellschaftlichen Norm auszugliedern und gesellschaftlich unsichtbar zu machen. Gleichzeitig werden Behinderungen durch ihren Ausschluss aus dem Alltagsleben als nicht normal angesehen. Die Unterstützung von Unternehmensgründungen durch behinderte Menschen, der Ausbau von Arbeitsassistenzen als ein Teil von persönlicher Assistenz und die bessere Ausstattung der Integrationsfachdienste, sowie das persönliche Budget sind für uns wichtige Ansatzpunkte für einen Perspektivenwechsel. Auf diese Weise kann die Integration in den Arbeitsmarkt und damit in das Alltagsleben erreicht werden. Eine Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen bleibt jedoch noch immer besser als ein gänzliches Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt.
Antwort Die LINKE
Arbeitgeber können sich von der Verpflichtung in der durchschnittlichen Größenordnung von 250 € freikaufen. Das gehört verboten. Wir halten es für einen Skandal, dass die Vermittlungsquote von Behindertenwerkstätten in den 1 .Arbeitmarkt nur 0,2% beträgt. Skandinavische Länder könnten ein Vorbild sein. Dort ist die Quote um ein vielfaches höher.
Antwort SPD
Einen Perspektivenwechsel einzuläuten kann nicht allein nur Aufgabe der Kommune sein. Vor allem sind Bund und Land aufgefordert, mehr Geld in die Hand zu nehmen.
In Mannheim haben wir schon in vielen Einrichtungen Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap: das Markthaus, der Bonusmarkt in Wallstadt, die Arbeitstherapeutischen Werkstätten, die Einrichtungen des Vereins für Gemeindediakonie und der Lebenshilfe. Wir unterstützen Ihre Forderung, dieses Thema konsequent weiter zu verfolgen.
Antwort FDP
Die öffentlichen wie privaten Arbeitgeber sind bereits heute verpflichtet, bei Einstellung die sogenannte „Behindertenquote“ zu erfüllen. Auch das Schwerbehinderten Gesetz und die neuen Antidiskriminierungsbestimmungen geben den Behinderten sehr viele Schutzrechte. Eine Erweiterung der Gesetzgebung halten wir nicht für sinnvoll, da sich sogenannte Schutzgesetze häufig auch als Hindernis bei der einstellung erweisen. Wir müssen darauf hinarbeiten, dass für Menschen mit Handicap mehr Verständnis und Achtung aufgebracht wird und auf diese Weise Nachteile vermieden werden. Die neue UN-Konvention kann dabei sicherlich gute Arbeit leisten. Die Einführung eines „Grundrechtes auf Arbeit“ – egal ob für Menschen mit Handicap oder ohne – halten wir als Liberale nicht für richtig
Thema 6) Partizipation und Teilhabe
Frage
6 a) Sind Sie bereit, einen Aktionsplan für ein barrierefreies Mannheim, wie er zurzeit vom Forum für behinderte Menschen diskutiert wird, im Gemeinderat zu beraten, zu beschließen und für dessen baldmöglichste Umsetzung einzutreten?
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Ja, einen Aktionsplan für ein barrierefreies Mannheim würden wir unterstützen.
Antwort Die LINKE
Ja natürlich, in unserem Kommunalwahlprogramm und bei unseren Mitgliedern hat barrierefreies Wohnen einen hohen Stellewert.
Antwort SPD
Wenn wir den Aktionsplan kennen, diskutiert, eine realistische Vorstellung von dem Zeitplan und den Kosten der Umsetzung haben, sind wir gerne bereit im Gemeinderat darüber zu beraten und zu beschließen
Antwort FDP
Ja, wir sind bereit einen Aktionsplan für ein barrierefreies Mannheim zu beraten und Maßnahme zur Umsetzung auf den Weg zu bringen.
Frage
6 b) Setzen Sie sich dafür ein, dass Kommunikationshilfen für sehbehinderte, blinde, schwerhörige und gehörlose Menschen (z. B. GebärdesprachdolmetscherInnen) vorgehalten werden
Antwort Bündnis 90 / Die GRÜNEN
Wir unterstützen die Forderung, Kommunikationshilfen für sehbehinderte, blinde, schwerhörige und gehörlose Menschen vorzuhalten. Einen entsprechenden Antrag für Gehörlose haben wir GRÜNE Anfang des Jahres gestellt.
Antwort Die LINKE
Wir in Mannheim, allerdings auch in anderen Orten, sind hier ganz schlecht aufgestellt. Das muss sich ändern.
Antwort SPD
Das tun wir seit Jahren. Notwendig sind aber weitere Kommunikationsangebote und wir werden dafür eintreten, dies zu verbessern.
Antwort FDP
Die Vorhaltung technischer Hilfen ist sicherlich möglich, allerdings halten wir die „Vorhaltung“ von Personalkräften für zu teuer. Diese sollten nur bei „aktuellem Bedarf“ bestellt werden.
Weitere Anmerkungen:
In unserem Wahlprogramm sprechen wir uns u. a. auch für die Erstellung eines barrierefreien Stadtplans aus. Ebenso fordern wir bedienungsfreundlichere Fahrkartenautomaten, da die Touchscreen Bildschirme gerade für seheingeschränkte Personengruppen nicht zu bedienen sind.
Das Schreiben der „Mannheimer Liste e. V.“ vom 22.04.2009 im vollen Wortlaut:
Zunächst einmal die grundsätzliche Position der Mannheimer Liste:
Wir sind uns sicherlich mit Ihnen einig, dass bei der Gestaltung von gemeinsamen Lebensräumen die Barrierefreiheit keine Sonderleistung für eine Minderheit ist. Von Barrierefreiheit profitierten Familien mit kleinen Kindern genauso wie Seniorinnen und Senioren. Barrierefreiheit ist ein Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität aller Menschen.
Sie ermöglicht den freien Zugang zu öffentlichen Orten, zu Informationen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Dies gilt in gleicher Weise für den ÖPNV, öffentliche Gebäude, das Wohnen, Schulen, Kindereinrichtungen, Bildung etc.
Als Freie Wähler unterstützen wir grundsätzlich solche Forderungen.
Aus Gründen der Fairness müssen wir aber auch feststellen, dass die Stadt Mannheim leider nicht über die Mittel verfügt, allen Forderungen gerecht zu werden.
Wir würden uns daher gerne mit Ihnen in Verbindung setzen, um gemeinsam mit Ihnen Schwerpunkte herauszuarbeiten.
Gerade das Thema „Inclusion“ halten wir für eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft. Hier kann Herr Karl-Heinz Trautmann, Vorsitzender der Lebenshilfe Mannheim, Ihr direkter Ansprechpartner sein.