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Artikel von: AgbaRedaktion
Barrierefrei planen, bauen, wohnen – warum Mannheim jetzt strukturell handeln muss

Planskizze einer barrierefreien Küche
Das Forum Inklusion und Barrierefreiheit mit dem Schwerpunkt „Barrierefrei planen, bauen, wohnen“ hat noch einmal deutlich gemacht, was wir schon länger wußten: Das größte Defizit der Barrierefreiheit in Mannheim liegt nicht im Neubau, sondern im Bestand. Gleichzeitig stehen wir vor einer demografischen Entwicklung, die Barrierefreiheit von einer freiwilligen Zusatzleistung zu einer zentralen Voraussetzung städtischer Zukunftsfähigkeit macht. Die Diskussionen haben gezeigt, dass es weniger an Wissen oder gutem Willen mangelt – sondern an verbindlicher Struktur, klaren Zielbildern und strategischer Priorisierung.
Einordnung: Wo stehen wir – und warum reicht das nicht aus?
In Mannheim – wie in vielen Städten – wird Barrierefreiheit im Neubau zunehmend mitgedacht. Das ist wichtig, löst aber das Kernproblem nicht: Die Stadt von 2040 steht heute schon. Der überwiegende Teil des Wohnungsbestands ist nicht barrierefrei nutzbar, während der Anteil älterer und behinderter Menschen deutlich wächst.
Im Forum wurde mehrfach betont, dass Zielkonflikte real sind: Kosten, Denkmalschutz, Brandschutz, Flächenknappheit. Diese Spannungen sind unbestritten. Problematisch wird es jedoch, wenn Barrierefreiheit dadurch systematisch relativiert wird – etwa als „optional“, „später lösbar“ oder nur als Einzelfallreaktion. Evidenz aus Forschung und Praxis zeigt: Reaktive Umbauten sind teurer, langsamer und sozial belastender als vorausschauende Planung. Fehlende Barrierefreiheit führt zu Vereinsamung, frühzeitigen Heimunterbringungen und steigenden Kosten für Pflege- und Sozialsysteme. Das ist für den sowieso schon angespannten Haushalt besonders kritisch. Wer hier noch weiter falsch an Barriefreiheit spart, wird die aktuellen Finanzprobleme in die Zukunft verschleppen und dramatisch erhöhen. Das kann sich Mannheim nicht leisten.
Ein weiterer zentraler Punkt der Diskussion war die Rolle von Normen. Die fachlichen Grundlagen der Barrierefreiheit – etwa in der DIN 18040 – sind seit über einem Jahrzehnt weitgehend stabil. Der von einem Architekten geäußerte Eindruck ständiger Änderungen entsteht vor allem durch Verwaltungsvorschriften und Ausnahmen. Daraus abzuleiten, Barrierefreiheit sei „verhandelbar“, ist fachlich nicht haltbar und gefährdet Rechtsklarheit, Planungssicherheit und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.
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Offener Brief: Nein zur Einführung einer Jahreskartengebühr für Menschen mit den Merkzeichen H oder B im Mannheimer Luisenpark
Lieber Herr Schnellbach,
vielen Dank noch einmal für Ihre Teilnahme an unserem Plenum Anfang des Jahres. Vielen Dank auch für Ihre Unterstützung bei der Lösung mit dem Ausgang für Rollstuhlfahrer*innen. Wir haben jetzt festgestellt, dass Rollstuhlfahrer*innen neuerdings mit einem Euro WC Schlüssel nach 19:00 Uhr den Park durch Öffnung der Türen von innen verlassen können.
Leider können wir uns darüber nicht richtig freuen, denn mit der Erledigung dieses alten Problems hat die Parkleitung leider gleich ein neues geschaffen:
Die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit Rhein-Neckar e.V. protestiert entschieden gegen die Einführung der Jahreskartengebühr für Menschen mit den Merkzeichen H oder B. Diese Maßnahme stellt aus unserer Sicht einen erheblichen Rückschritt für die Inklusion und soziale Teilhabe in Mannheim dar.
Die Gebührenerhebung riskiert:
1.Räumliche Exklusion: Für viele Menschen mit Behinderung, insbesondere für einkommensschwache Haushalte, bedeuten die zusätzlichen Kosten eine reale Hürde. Weniger Parkbesuche sind die Folge, wodurch wichtige Möglichkeiten zur Naherholung, Begegnung und gesellschaftlichen Teilhabe verloren gehen.
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AGB auf der 1. Mai-Veranstaltung des DGB
Auch in diesem Jahr waren wir wieder mit einem Stand auf der 1.Mai-Veranstaltung des DGB, die diesmal auffallend gut besucht war. Wir waren selbst erstaunt, wie schnell wir Unterschriften für unser Anliegen für barrierefreie Toiletten zusammen hatten. Das ist richtig gut gelaufen!
Wer online unterschreiben will, findet die Seiten im Beitrag unter diesem.
Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen
Internationaler Tag der Menschenrechte Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen
Berlin. Das Deutsche Institut für Menschenrechte und das Bochumer Zentrum für Disability Studies fordern anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember konkrete Maßnahmen zur Umsetzung des Rechts auf ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderungen.
„Auch 15 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland können viele Menschen mit Behinderungen immer noch nicht selbst entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Laut UN-Konvention haben sie zwar das Recht, ihren Aufenthaltsort frei zu wählen und selbst zu entscheiden, wo und mit wem sie leben wollen. Faktisch werden aber insbesondere für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen kaum Alternativen zu stationären Wohnformen angeboten“, sagt Leander Palleit, Leiter der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Instituts. Deshalb hat sich die Zahl der Menschen, die in Sondereinrichtungen leben, in den letzten 15 Jahren nicht verringert. Heute lebt immer noch knapp die Hälfte der Menschen, die Eingliederungshilfe beziehen, in institutionalisierten Wohneinrichtungen.
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Land zeichnet Fußverkehrsprojekte aus.

Foto: Ben von Skyhawk
Auf der Fußverkehrskonferenz in Ulm hat Minister Hermann (Verkehrsministerium Baden-Württemberg) erstmals den Landespreise für Fußverkehr verliehen.
Der erste Preis in der Kategorie Partizipation und Kommunikation geht an die Kampagne Umsichtig unterwegs in Mannheim – aufpassen und anpassen, die von den drei Vereinen Badischen Blinden- und Sehbehindertenvereins V.m.K., der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit Rhein-Neckar e. V. und dem Gehörlosen-Verein Mannheim 1891 e.V. getragen und von der Stadt finanziell unterstützt wird. Die Kampagne wirbt für Rücksichtnahme auf unterschiedliche Bedürfnisse im Verkehr, insbesondere von Menschen mit Einschränkungen.
Der Preis wurde von Karlheinz Schneider Vorsitzender des Badischen Blinden- und Sehbehindertenvereins V.m.K., Dr. Klaus G. Wolff, Geschäftsführer des Badischen Blinden- und Sehbehindertenvereins V.m.K., Heinrich Schaudt, Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit Rhein-Neckar e. V. so wie Ursula Frenz, Behindertenbeauftragte der Stadt Mannheim, und Chämy dem Chamäleon (Maskottchen der Kampagne) entgegengenommen.